Donnerstag: Vielfalt nutzen

Vortrag: Vielfalt auf Eis gelegt!?

1992 wurde in Rio de Janeiro von mehr als 170 Staaten der Vereinten Nationen eine Verpflichtungserklärung unterschrieben, die biologische Vielfalt von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen und –tieren zu bewahren. In zahlreichen Ländern sind seitdem Konzepte zum Erhalt der Biodiversität in der Landwirtschaft entstanden und zum Teil bereits umgesetzt worden. Da es nicht möglich ist, sämtliche Produkte der Pflanzen- und Tierzüchtung, die seit dem Sesshaft-Werden der Menschheit entstanden sind, in vivo zu erhalten, werden Pflanzensamen und Keimzellen von Tieren gewonnen und diese kühl gehalten bzw. tiefgefroren konserviert.

Zahlreiche Sorten und Rassen wurden vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wegen des Fortschritts in der Züchtung in einer strikt ertragsbezogenen Landwirtschaft nicht mehr verwendet. Dies hat sichtbar zu einem Verlust an Vielfalt geführt. Ob in dieser Zeit auch viele wertvolle Gene abhandengekommen sind, lässt sich noch nicht abschließend bewerten. Aufwendige Techniken für molekulargenetische Analysen konnten vor allem im Nutztierbereich noch nicht für alle Spezies und Rassen angewendet werden. Zudem ist auch zu der Funktion von Genen und ihrer Anpassung an Einflüsse, denen sie in Organismus und Umwelt ausgesetzt sind, erst wenig bekannt.

Daher sind Genbanken derzeit neben der Lebenderhaltung ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Vielfalt. Diesen Beitrag stellt die Deutsche Genbank landwirtschaftlicher Nutztiere im Kontext des Nationalen Fachprogramms tiergenetischer Ressourcen vor.

MARTINA HENNING, Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen 1974– 1979 und Promotion 1982. Seit 1983 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Nutztiergenetik des Friedrich Löffler Institutes in Greifswald. Ihre fachlichen Schwerpunkte sind Stressanfällig-keit beim Schwein, Einflüsse von Genetik und Haltungsumwelt auf die Produktqualität, auch bei Rind, Schaf und Geflügel.

Seit 2016 ist Dr. Martina Henning Geschäftsführerin der Deutschen Genbank für landwirtschaftliche Nutztiere

Vortrag: Zucht von Zweinutzungshühnern für den Ökolandbau

Die Ökologische Tierzucht gGmbH ist eine gemeinnützige Initiative, welche sich für die ökologische Züchtung von Tieren und im speziellen Geflügel engagiert. Sie wurde im März 2015 von den beiden Bioverbänden Bioland und Demeter gegründet. Ziel ist es, eine eigene auf ökologischen Wertvorstellungen beruhende Züchtung zu etablieren und langfristig eine Alternative zu den herkömmlich eingesetzten Tieren im Bereich Geflügel für den ökologischen Bereich zu bieten. Innerhalb der Initiative Ökologische Tierzucht geht es insbesondere um die Erforschung und züchterische Weiterentwicklung von Tieren, welche als Zweinutzungstier beide Richtungen Eier und Fleisch abdecken sollen. Momentan züchtet die ÖTZ die legeleistungsbetonten Tiere ‚Domäne Silber‘ und ‚Domäne Gold‘, sowie in Kreuzung mit der „Bresse Gauloise“ auch ein klassisches Zweinutzungshuhn, welches einerseits aus den eigenen Strukturen stammen und andererseits das Thema des Vermeidens des Kükentötens authentisch und ethisch korrekt lösen kann.

Grundsatz einer ökologischen Züchtung ist, dass die Tiere unter möglichst praxisnahen, d.h. den Vorgaben des ökologischen Landbaus entsprechenden Bedingungen gezüchtet werden. Die Zucht kann darum nicht wie üblich in Einzelkäfigen, sondern nur in der Gruppe durchgeführt werden. Dies macht eine kostspielige Einrichtung und einen hohen Personalaufwand notwendig, um dennoch die zuchtrelevanten Daten der Einzeltiere erfassen zu können.  Gemeinsam mit der Naturkostbranche wurde ein Konzept zur finanziellen Unterstützung der ÖTZ entwickelt, welches in den kommenden fünf Jahren teile der entstehenden Kosten des ökologischen Zuchtstandortes finanzieren soll.

In dem Vortrag wird beleuchtet: Warum brauchen wir eine eigene Ökologische Tierzucht für Geflügel? Wie funktioniert die Züchtung in der Praxis? Was ist der Status Quo unserer Initiative? Wie finanzieren wir die Züchtung? Was sind die gemeinnützigen Aspekte der ÖTZ?

INGA GÜNTHER, geboren 1987, verbrachte ein halbes Jahr auf der Farm Krumhuck in Namibia und arbeitete auf den Demeter Höfen Schümann und Dannwisch. Sie studierte 2007 – 2010 Ökologische Agrarwissenschaften an der Uni Kassel/ Witzenhausen. Nebenbei Arbeit am Bioland Geflügelhof Roth in Unterrieden, Hühnerhaltung und Gemüsekisten in Freudenthal. 2010 schrieb sie ihre Bachelorarbeit über ökologische Perlhuhnmast und arbeitete 2011 - 2016 am Hofgut Rengoldshausen. Dort machte sie Versuche zur Perlhuhnmast und startete die Züchtung mit Bresse Gauloise Hühnern und den Aufbau des Händel und Gretel Projektes. Seit 2015 ist Inga Günther Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH.

Vortrag: Vielfalt und Ökologische Pflanzenzüchtung

Vielfalt übernimmt wichtige Funktionen in der Ökologischen Landwirtschaft. In ihrer Abwesenheit müssen diese Funktionen durch systemfremde und in vielen Fällen systemstörende Einspeisungen ersetzt werden, die daher mit gutem Grund aus der Ökologischen Landwirtschaft gebannt sind. Daher ist es nur schlüssig, dass sich diese Vielfalt auch im Bereich der Pflanzenzüchtung widerspiegelt. Vielfalt beeinflusst die Pflanzenzüchtung für die Ökologische Landwirtschaft auf allen Ebenen. Auf der Betriebsebene erfordern die weiteren und vielfältigeren Fruchtfolgen, dass auch leistungsfähiges Saatgut für weniger verbreitete Fruchtarten bereitgestellt wird. Ein Mischanbau von mehreren Fruchtarten, wie zum Beispiel Bohnen und Mais oder von Getreide-Leguminosen-Gemengen erfordert Sorten, die an die jeweiligen Partner angepasst sind. Auf der Ebene der Art in einem Bestand ist eine genetisch homogene Sorte oft nicht die richtige Lösung, um mit vielfältigen und wechselnden Umweltbedingungen auch ohne Sofortmaßnahmen von außen gute und verlässliche Erträge zu erwirtschaften.

PROF. DR. GUNTER BACKES studierte Agrarwissenschaften an der TU München in Weihenstephan und schloss als Dipl.-Agraringenieur 1989 mit einer Arbeit zur Anwendung von DNA-Markern in Gerste ab. Er promovierte 1995 mit der Lokalisierung von Genen für quantitative Eigenschaften. Danach wechselte er nach Dänemark, zunächst zu einem Sektorforschungsinstitut, dann an die Universität Kopenhagen. Er arbeitete weiter im Bereich der Pflanzenzüchtung und verschiedener Anwendungen genetischer Marker und vor allem gemeinsam mit praktischen Pflanzenzüchtern, aber zunehmend im Bereich der Ökologischen Landwirtschaft. Als „Lektor“ der Universität Kopenhagen wurde er dann 2013 an den Fachbereich für Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel/Witzenhausen berufen, wo er das neugestaltete Fachgebiet für Ökologische Pflanzenzüchtung und Agrarbiodiversität übernahm. Prof. Dr. Backes ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarbiodiversität und genetische Ressourcen des Landwirtschaftsministeriums und seit Herbst 2016 Dekan des Fachbereichs.

Vortrag: Partizipative ökologische Züchtung im Freiland – Tomatenprojekt und Open-Source Saatgut

Pflanzliche Diversität für diverse Umwelten nutzbar zu machen, ist ein wesentliches Prinzip der ökologischen Pflanzenzüchtung. Dem entgegen steht die Aneignung der Kulturpflanzenvielfalt aus Profit- und Machtinteressen. Open-Source ist zu einer Antwort auf die wachsende Privatisierung von Gemeingütern geworden. Am 26.4.2017 wurde die erste mit einer Open-Source Saatgut Lizenz versehene Sorte in Verkehr gebracht. Gemeinsam mit Agrecol und Culinaris wird untersucht, wie die Lizenz in der Wertschöpfungskette gehandhabt werden kann und welchen Effekt sie auf die zukünftig verfügbare Diversität haben kann. Die Tomate „Sunviva“ wurde gemeinschaftlich im Netzwerk des ökologischen Freiland-Tomatenprojekts gezüchtet, das 2003 an der Universität Göttingen als partizipatives Züchtungsprogramm gestartet wurde und die gesamte Wertschöpfungskette umfasst. Es basiert auf dem freien Austausch von Wissen und Tomaten-Genotypen und dient der methodischen Verbesserung der ökologischen Tomatenzüchtung.

 DR: BERND HORNEBURG, geboren 1965, machte 1987 ein Studienjahr der biologisch-dynamischen Landwirtschaft und Gartenbau am Emerson College in England. 1988 –1994 studierte er Biologie an der Universität Göttingen. 1990 war er Mitgründer der “AG für ökologisches Saatgut”, welche später in “Dreschflegel” umbenannt wurde. Auch arbeitete er im “Initiativkreis für Gemüsesaatgut aus biologisch-dynamischem Anbau” mit, aus dem später Kultursaat e.V. und Bingenheimer Saatgut AG hervorgingen. Seit 1996 beteiligt er sich an der Lehre zu ökologischer Pflanzenzüchtung an der Uni Kassel/Witzenhausen.  1999 –2003 promovierte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Pflanzenzüchtung an der Universität Göttingen. Dort gründete und leitete er 2003 –2013 die Arbeitsgruppe Standortanpassung und Ökologische Züchtung. Seit 2013 ist er Leiter der Fachgruppe Genetische Ressourcen und Ökologische Züchtung.

Workshop: Vielfalt diskutiert- Diskussionsforum Züchtung im Ökolandbau

Die Evolution des Lebens auf der Erde hat als eine ihrer erfolgreichen Strategien die Vielfalt entwickelt. Diese ist als Naturgesetzlichkeit zu bezeichnen, legt man die Vielfalt verschiedenster Ökosysteme zugrunde, die diesen Stabilität verleiht. Der Gedanke, die Vielfalt in der Landwirtschaft zu nutzen, ist nicht neu. So empfahlen ältere Bauernregeln ‚Wenn Du mit Deinem Flachs nicht mehr zufrieden bist, stiehl Dir welchen von einem anderen Acker und mische ihn unter deinen.‘  Noch bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts war es üblich, Artengemenge, später auch Sortengemenge zur Erhöhung der Ertragssicherheit anzubauen. Die Idee, die Vielfalt in der Pflanzenzüchtung einzusetzen, ist Mitte des letzten Jahrhunderts entstanden. Grundsätzliches Ziel dabei ist, die Kulturpflanzenvielfalt auf Basis einer Art zu erhöhen, um standortanpassungsfähige Pflanzengemeinschaften mit hoher Ertragsstabilität und Resilienz zu entwickeln. Die ‘Forschung & Züchtung Dottenfelderhof‘ beschäftigt sich seit über zehn Jahren auch mit der Entwicklung von ‘Populationen‘, um den stark divergierenden Produktionsbedingungen einschließlich des Fehlens konventioneller Hilfsmittel, die den Öko-Landbau kennzeichnen, mit Vielfalt zu begegnen. Dieser Sortentyp erfüllt zudem die besonders im biodynamischen Landbau geforderte anpassungs- und nachbaufähige Hofsorte. Zum anderen sind Populationen geeignet, als Strategie gegenüber den Extremwetterereignissen als Folge des Klimawandels eingesetzt zu werden. Nicht zuletzt erhöhen Populationen die genetische Vielfalt auf dem Acker und stellen per se eine genetische Ressource dar. Was Populationen sowie deren rechtliche Grundlagen sind und wie züchterisch vorgegangen wird, soll im Workshop erarbeitet werden.

Der Workshop „Vielfalt diskutiert- Diskussionsforum Züchtung im Ökolandbau“ findet im Raum H13 in der Steinstraße statt.

Der Workshop wird angeleitet von PROF. DR. GUNTER BACKES und AGR. HABIL. HARTMUT SPIEß, Jahrgang 1945, Landwirtschaftsstudium an der Universität Leipzig. 1978 Promotion an der Universität Gießen, 1994 Habilitation im Fachbereich Ökologischee Agrarwissenschaften der Universität Kassel/Witzenhausen. Seit 1977 Leitung der Abteilung ’Forschung & Züchtung Dottenfelderhof’, Bad Vilbel im Rahmen des ‘Instituts für Biologisch-Dynamische Forschung‘, Darmstadt und der ‘Landbauschule Dottenfelderhof‘. Arbeitsgebiete: Rhythmenforschung und Chrono-biologie, Wirkung der biologisch-dynamischen Präparate, Pflanzengesundheit, Problematik der Düngung im Bio-Landbau, aktueller Schwerpunkt Bio-dynamische Pflanzenzüchtung und Sorteneignung.

Workshop: Tierische Vielfalt – Erhalt alter Nutztierrassen

Die besonderen Eigenschaften der alten, angepassten, vielseitig ausgerichteten Rassen finden in der heutigen schnelllebigen, auf Spitzenleistungen ausgerichteten Landwirtschaft nur wenig Wertschätzung. Aber ist das ein dauerhaftes Zukunftsmodell? Sollten wir uns nicht eine Tür offen halten für Nutztiere, die über Eigenschaften verfügen wie Langlebigkeit, Genügsamkeit, Anpassungsvermögen oder beste Fleischqualität? Neue Ideen sind gefragt, die es den LandwirtInnen ermöglichen, die alten Rassen in einem tragfähigen Betrieb zu integrieren. Aufgeklärte VerbraucherInnen sind nötig, um die vielfältigen Produkte dieser Rassen zu schätzen und damit die Türen für ein wirtschaftliches Einkommen der TierhalterInnen zu öffnen.

Sechs Fragen werden im Workshop in den Vordergrund gestellt, die auf neue Ideen und Antworten warten – Kreativität und Visionen sind gefragt. Zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen bereits, dass die alten Rassen auf dem Abstellgleis zum Vorzeigemodell werden können.

Der Workshop „Tierische Vielfalt – Erhalt alter Nutztierrassen“ findet im Raum H3 in der Nordbahnhofsstraße statt.

ANTJE FELDMANN wurde 1963 in München geboren. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur landwirtschaftlichen Gehilfin begann sie das Studium der Agrarwissenschaften an der Technischen Universität München in Freising-Weihenstephan und an der Universität Kassel-Witzenhausen, wo sie das Studium mit der Diplomarbeit „Monitoring autochthoner Schafrassen im Alpenraum“ abschloss. Seit 1992 ist sie hauptamtliche Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) mit Sitz in Witzenhausen. Begleitend war Antje Feldmann in verschiedenen Fachorganisationen hinsichtlich tiergenetischer Ressourcen beschäftigt. Seit 1992 ist Antje Feldmann ständiger Gast im Nationalen Fachbeirat für tiergenetischer Ressourcen des Arbeitsausschusses der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. und seit 1995 Mitglied in der Projektkommission der Stiftung SAVE (Sicherung der Artenvielfalt in Europa), bei der sie im Jahr 2006 auch in den Stiftungsrat gewählt wurde. Als Projektleiterin führte sie verschiedene nationale als auch internationale Projekte im Bereich der Biologischen Vielfalt durch.

Kochworkshop: Vielfalt schmeckt

Um Vielfalt zu fördern, müssen wir die Nachfrage erhöhen, indem wir diese Produkte essen. In diesem Workshop bereitet Karin Depner mit den TeilnehmerInnen aus Dinkel, Emmer und Einkorn verschiedene Brötchen, Knäckebrot und andere Gebäcke zu. Kamut verarbeiten sie zu einem goldenen Nudelteig, um daraus eine leckere Gemüselasagne herzustellen. Außerdem kochen und braten sie nach Grundrezepten Quiches, Bratlinge, nahrhafte Suppen, Salate, Dips und Soßen. Im Jahresverlauf können die Gemüsesorten durch das Gemüse der Saison ausgetauscht werden. Nach den Anregungen und Kombinationsvorschlägen von Karin Depner können diese Grundrezepte mit asiatischen oder ayurvedischen Gewürzen, und im Frühjahr mit frischen Kräutern gewürzt und zu kulinarischen Genüssen zusammengestellt werden. Aus naturbelassenen „LEBENS“mitteln werden einfache leckere Gerichte zubereitet, die Körper und Seele stärken.

Die Rezepte sind leicht und schnell nach zu kochen. Die TeilnehmerInnen erhalten alle Rezepte. Wenn möglich, Schürze und kleine Gläser oder Dosen für Kostproben für zu Hause mitnehmen.

Der Kochkurs „Vielfalt schmeckt“ findet in der Berufsschule Witzenhausen statt. Diese finden Sie in der Südbahnhofsstraße 33 (siehe Lageplan Witzenhausen).

KARIN DEPNER, geb. 1960, ist ausgebildete Krankenschwester an der Uniklinik Erlangen. Mehrere Jahre arbeitete sie in verschiedenen Krankenhäusern, Sozialstationen und im Altersheim. Nach schwerer Erkrankung stellte sie ihre Ernährung auf vitalstoffreiche Vollwertkost um und legte den Fokus auf ganzheitliche Heilung und Präventionsarbeit. 1988-1990 machte Karin Depner eine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin an der Gesellschaft für Gesundheitsberatung. Geburt von drei Kindern. Seit 1990 gibt sie Ernährungskurse in Theorie und Praxis für Mutter und Kind, Übergewichtige, Menschen mit Allergien und andere. Seit 2004 ist sie selbständig als Unternehmen “lecker&gesund“ mit Schulprojekten, Vorträgen in verschiedenen Einrichtungen. Außerdem übernimmt sie Bio- vegetarisches Catering für Seminare, Veranstaltungen, Tagungen oder Familienfeste mit regionalen Produkten der Solidarischen Landwirtschaft Erlangen und der Sozialen Landwirtschaft Kosbach.

Workshop: Sortenverarmung im heutigen Erwerbsobstbau – Chancen zur Erhaltung von Sortenvielfalt

In diesem Workshop soll im Eingangsreferat am Beispiel der Apfelsorten konkret demonstriert werden, wie der Einfluss der Chemie-Industrie seit den 1930er Jahren die Obstzüchtung in eine bestimmte Richtung gelenkt hat, die zu einer genetischen Verarmung und einem Vitalitätsverlust bei Obstsorten geführt hat. Obstbau ohne intensivsten Pflanzenschutz erscheint mit den heutigen Marktsorten kaum möglich; der Verbrauch an chemischen Pflanzenschutzmitteln im Obstbau steigt (trotz rückläufiger Anbaufläche) und Bio-Betriebe beklagen, dass sie ohne die Verwendung von Kupfer den Pilzkrankheiten im Obstbau nicht beikommen.

Anschließend soll gemeinsam diskutiert werden, welche Wege aus dieser Krise führen können. Brauchen wir jetzt die Gentechnik? Welche Bedeutung hat genetische Vielfalt? Welche Rolle können alte Sorten heute noch (oder wieder) spielen? Obstbau ohne intensiven Pflanzenschutz: Ist das nur eine Utopie, oder – mit den dafür geeigneten Sorten – eine gangbare Alternative zumindest für Direktvermarkter?

Der Workshop „Sortenverarmung im heutigen Erwerbsobstbau – Chancen zur Erhaltung von Sortenvielfalt“ findet im Raum H1 statt.

HANS-JOACHIM BANNIER, Jahrgang 1957 ist gelernter Journalist. Er begann 1989 als „Quereinsteiger“ zunächst mit der Bewirtschaftung diverser Streuobstwiesen im Raum Bielefeld und betreibt seit 1995 den BIOLAND-Betrieb „Obst-Arboretum Olderdissen“ – eine Sammlung von über 300 verschiedenen Apfel- sowie 100 verschiedenen Steinobstsorten. Er ist Mitbegründer des Pomologen-Vereins e.V., der sich für die Erhaltung der Obstsortenvielfalt im Streuobst- und Selbstversorgeranbau engagiert. Im Laufe der Jahre hat er an diversen Obstsortenbüchern mitgewirkt, u.a. „Äpfel und Birnen aus Luxemburg“ (2007), „Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten“ (2010) und „Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt“ (2017). Nach seiner Veröffentlichung über die Inzucht-Tendenzen in der modernen Obstzüchtung (Erwerbsobstbau, 2010) gründete er gemeinsam mit einigen BIOLAND-Obstbauern die ökologische Züchtungs-Initiative Apfel:gut im Saat:gut e.V.

Exkursion: Nutzung von Naturschutzflächen mit Harzer Höhenvieh – Exkursion

Im Rahmen dieses Workshops werden wir auf den Biolandbetrieb von Daniel Wehmeyer fahren. Der Hof liegt im etwa 75 Minuten entfernten Düna bei Osterrode im Harz. Die Besonderheit des Betriebes ist in erster Linie die alte Rinderrasse, die dort gezüchtet wird. Das Harzer Rote Höhenvieh. Die zweite Besonderheit sind die Naturschutzflächen des Naturschutzgebietes Hainholz/Beyerstein, die die Tiere beweiden. Die artenreichen Grünlandflächen befinden sich auf einem der letzten intakten Karstlandschaften Europas. Die extensive Nutzung dieser Harzer Weiden und Bergwiesen trägt zum Erhalt einer einmaligen artenreichen Kulturlandschaft bei.

Um genug Zeit auf dem Betrieb zu haben, werden wir mit dem Bus bereits um 14 Uhr abfahren. Wir treffen uns an der Bushaltestelle am alten Hawege (Nähe Gebrauchtwarenzentrum). Gegen 19 Uhr werden wir wieder in Witzenhausen eintreffen. Bitte zieht feste Schuhe und Wetterfeste Kleidung an.

DANIEL WEHMAYER übernahm bereits mit 20 Jahren den Nebenerwerbsbetreib seines Vaters. Entgegen aller Ratschläge begann er im Vollerwerb, das vom Aussterben bedrohte Harzer Rote Höhenvieh auf Naturschutzflächen zu züchten. Heute bewirtschaftet der Bioland-Bauer rund 375 Hektar Land mit 240 Rindern. Alle zwei Wochen wird geschlachtet und das Fleisch wird an die Gastronomie sowie direkt ab Hof vermarktet. Im Jahr 2016 gewann Daniel Wehmeyer den Förderpreis Ökologischer Landbau des BMEL in der Kategorie „Gesamtbetriebliche Konzeption“.

Workshop: Kindern biologische Vielfalt nahebringen

In diesem Workshop gibt es vielfältige Anregungen, wie Kindern und Jugendlichen das Thema biologische Vielfalt nahegebracht werden kann. Es geht um die Frage, wie man die Biodiversität am Beispiel von Obst, bei einer Exkursion, einem Garten oder auf einem Bauernhof nachdrücklich darstellen kann.

Dabei ist das Ziel, dass die Kinder und Jugendlichen mit allen Sinnen angesprochen werden und ihre Umwelt mit Kopf, Herz und Hand erfahren. Im Workshop werden wir einfache Sachverhalte exemplarisch bezogen auf Apfelbäume durchdenken und ausprobieren. Durch dieses und ähnliche konkrete Beispiele wird aufgezeigt, wie man für biologische Vielfalt – egal ob bei Schulexkursionen, Kindergeburtstagen, Ferienaktionen oder auf Schulbauernhöfen - begeistern kann, so dass sich die Kinder und Jugendlichen eigenständig weiter mit dem Thema beschäftigen wollen. Bei Interesse können auch Tipps und Tricks gegeben werden, wie man erfolgreich Projekte durchführt, worauf geachtet werden muss und wo man Unterstützung erhalten kann.

Der Workshop „Kindern biologische Vielfalt nahebringen“ findet im Raum H11 in der Steinstraße statt.

DR. KARSTEN SCHULZ, geboren 1975, studierte Diplompädagogik und Darstellendes Spiel in Rostock. Seine Studienschwerpunkte waren sowohl Landwirtschaft und Pädagogik, als auch Soziale Bewegungen und Lebensreform. In Bielefeld promovierte er im Bereich Historische Jugendforschung, am Beispiel zweier überverbandlicher Jugendtreffen junger Jugendbewegungen. Bis 2011 war er freier Referent und Organisator von Jugend-, Bildungs- und Kulturveranstaltungen bei Jugendverbänden und Organisationen. Seit 2011 ist Dr. Karsten Schulz geschäftsführender Referent für Evangelische Jugend in ländlichen Räumen (ejl) bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej). Seine Schwerpunkte sind hierbei: Kampagnenarbeit (z.B. Marmelade für Alle!), Projektarbeit (z.B. Internationale Grüne Woche), Bildungsarbeit, Koordination und Förderung von Veranstaltungen im Bereich Ernährung, Landwirtschaft und ländliche Räume.