Mittwoch: Boden und Natur bewahren

Vortrag: Aus Verantwortung für Mensch, Erde und Natur zum Handeln kommen

Seit der Technikkritik des ausgehenden letzten Jahrhunderts ist deutlich, dass die Vermögen des Menschen einander nicht mehr entsprechen: Was er herstellen und verwirklichen kann, steht in keinem Verhältnis zu dem wenigen, was er sich vorzustellen vermag. Für Technikphilosophen wie Günther Anders bedeutete dieser Sachverhalt die Notwendigkeit eines grundsätzlichen Sinneswandels: „die Ausbildung moralischer Phantasie“ als Übung von Wahrnehmung, Fühlen, Wollen und Denken, um das auch vorstellen und verantworten zu können, was wir tun. In ähnlicher Weise hat Hans Jonas mit seinem „Prinzip Verantwortung“ verlangt, dass wir für Ungeborene eine Verantwortung für den Planeten haben. Beide Positionen zusammen haben schließlich in der Phänomenologie der Natur zu Fragen nach deren Geistigkeit geführt – die Natur als Wesen und Gesprächspartner des Menschen. Angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen scheint es unabdinglich, diese Linien zusammenzudenken.

PROF. DR. HARALD SCHWAETZER, Studium der Philosophie, Latinistik, ev. Theol. und Pädagogik, I. und II. Staatsexamen, Promotion und Habilitation in Philosophie. Er ist Mitglied des Gründungspräsidiums, Vizepräsident und seit 2014 Professor für Philosophie der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, Mitbegründer des Internationalen Klaus Reinhardt-Instituts, Gastprofessor an der Universität Hildesheim, Mitherausgeber philosophischer Zeitschriften und Buchreihen. Harald Schwaetzer ist weltweit einer der führenden Köpfe der Cusanus‐Forschung. Er versteht Philosophie als eine gesellschaftsgestaltende Kraft, die Werteorientierungen gibt. Sein Hauptinteresse gilt der Frage, wie Philosophie durch einen kritischen Schritt zurück in die Geschichte das geistig-kulturelle Erbe für die Gegenwart und Zukunft fruchtbar machen kann.Selbstbildung in Freiheit und sozialer Verantwortung für die Gemeinschaft bildet einen wesentlichen Kern seiner Überlegungen.

Vortrag: Biolandbau für Mensch und Natur - eine Kooperation zwischen Landnutzung und Landschaftsökologie

Biolandbau für Mensch und Natur - eine Kooperation zwischen Landnutzung und Landschaftsökologie Landwirtschaft und Naturschutz schließen sich per Definition nicht aus. Aktuell wird Naturschutz selten nur als Schutz ungenutzter Natur verstanden, sondern meist als Pflegenaturschutz. Naturschutz in unserer „produzierenden“ Landwirtschaft ist allerdings nach wie vor unterrepräsentiert. Grund dafür ist, dass der Naturschutz nicht in die Landwirtschaft als Ganzes integriert wurde, sondern vielmehr nur „Randstreifen“ oder andere abgegrenzte Gebiete beeinflussen durfte. Wir benötigen flächendeckend kombinierte Kompetenzen und gemeinsame Modelle ökologischer und landbaulicher Perspektiven. Dafür ist es notwendig, dass einerseits Fachkräfte des Naturschutzes in der Ausbildung die Grundlagen und Praxis der Landwirtschaft näher kennenlernen und andererseits mehr Wissen über ökologische Zusammenhänge über die bäuerliche Lehre und das Landwirtschaftsstudium vermittelt wird. Die Partnerschaft mit der Natur ist auch im Landbau einem Kampf gegen die Natur vorzuziehen. Die Landwirtschaft ist auf die Natur angewiesen und folglich ist der Schutz der Natur innerhalb der Landwirtschaft unumgänglich. Eine daraus resultierende wichtige Frage ist: Welche Natur ist in der Landwirtschaft zu ihrem langfristigen Fortbestand nötig und daher zu erhalten und zu schützen? Grundlegend muss die natürliche Bodenfauna und mikrobielle Flora erhalten und in das Agrarsystem integriert werden. Dementsprechend müssen Praktiken, die das Bodenleben stark beeinträchtigen, durch geeignetere ersetzt werden. Dies betrifft auch den Umgang mit Ackerwildkräutern, so soll auf lange Sicht der Spontanwuchs durch die richtige Steuerung und Integration zu einem überwiegend nützlichen Element einer Mischkultur werden. So geht die Notwendigkeit mit einer Vielzahl an Möglichkeiten des Boden- und Naturschutzes innerhalb der Landwirtschaft einher – gleichzeitig wird es auch in Zukunft weiterhin ausreichend Schutzbereiche für sehr naturnahe oder natürliche Ökosysteme geben müssen.

JOSEF (SEPP) BRAUN, Jahrgang 1959, stieg nach seiner Berufsausbildung 1980 in die Saatgutvermehrung ein und begann eine intensive Zusammenarbeit mit Beratung, Forschung (TU München, Weihenstephan) und Pflanzenschutz- und Düngemittelindustrie. 1982 heiratete er und übernahm den elterlichen Betrieb, Geburt von vier Töchtern. 1984 stellte er auf pfluglose Bodenbearbeitung und 1988 auf organisch-biologischen Landbau um und arbeitet seitdem in verschiedenen Gremien des BiolandVerbandes mit. 1994 folgte die Umstellung auf Minimalbodenbearbeitung und 1995 auf reine Heufütterung mit Neubau einer Heutrocknung und Käserei. Seit 2006 ist Sepp Braun Mitglied im Präsidium des Bioland Bundesverbandes. 2008 stieg er mit der Pflanzung von 50.000 Bäumen und Installation einer Holzgasanlage in eine Agroforstwirtschaft und 2016 in die Hühnerhaltung ein.

Workshop: Anbausysteme zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und Garekonservierender Bodenbearbeitung

Ausgehend von Anbauprinzipien, die wir aus natürlichen Ökosystemen ableiten, wird sich dieser Workshop kritisch mit verschiedenen Anbausystemen zum Erhalt und zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit auseinandersetzen.

Dabei werden sowohl die Direktsaat im Ackerbau als auch Mulchsysteme im Erwerbsgemüsebau sowie Garekonservierende Bodenbearbeitung zur Sprache kommen.

Im Zentrum des Workshops steht die perfekte Bodengare und die damit verbundenen wichtigen Fragen: Wie kann diese durch Zwischenfrüchte, Untersaaten, Grünbrache, Unterkrumenerschließung et cetera erreicht werden? Ist die perfekte Bodengare die Grundlage für den Erfolg all dieser Systeme und warum gerät sie allzu oft aus dem Blickfeld?

Der Workshop „Anbausysteme zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und Garekonservierender Bodenbearbeitung“ findet im Raum H33 in der Steinstraße statt.

JAN-HENDRIK CROPP war über Jahre im ökologischen Gemüse- und Ackerbau auch in betriebsleitender Funktion tätig und ist nun seit gut fünf Jahren als selbständiger Seminarleiter, Referent und Berater im Rahmen der under_cover GbR auf dem Spezialgebiet Bodenfruchtbarkeit aktiv. Sein Wissen eignete er sich durch die eigene Praxis, das agrarwissenschaft-liche Studium und diverse Studienreisen zum Thema Boden-fruchtbarkeit in Europa und Nordamerika und eigene Recherchen an.Seine besondere Leidenschaft gilt Mulchsystemen im Erwerbsgemüsebau, die er in den vergangenen Jahren zusammen mit befreundeten Kollegen und deren Betrieben maßgeblich mit entwickelt hat und mit On-Farm-Versuchen erforscht.

Workshop: Naturschutz auf dem eigenen Betrieb umsetzen

Welche Bedeutung hat das Konfliktfeld zwischen Naturschutz und Landwirtschaft für die Umsetzung von naturschutzfachlichen Maßnahmenumsetzungen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen?

Anhand von Naturschutzbeispielen des Lämmerhofes thematisiert der Workshop zunächst den rechtlichen Rahmen und Abhängigkeiten zwischen Naturschutz und Landwirtschaft in der praktischen Umsetzung:

  • Wofür benötige ich behördliche Genehmigungen, wofür nicht?
  • Wie vertragen sich Naturschutzmaßnahmen und Agrarförderung?
  • Inwiefern können angrenzende Grundeigentümer beteiligt werden?

Anschließend werden in Gruppenarbeit Ideen zu Naturschutzmaßnahmen auf einem gemeinsam ausgesuchten Beispielbetrieb gesammelt. Dabei sollen Kenndaten zu Landschaftsraum, Betriebsschwerpunkten wie Größe, Anteile von Acker, Grünland und Landschaftselementen, Tierhaltung, die Anzahl von Arbeitskräften auf dem Betrieb, sowie die Unternehmensart und Eigentumsstruktur der Betriebsflächen berücksichtigt werden.  Eine gemeinsame Diskussion zu den entwickelten Hofnaturschutzkonzepten wird den TeilnehmerInnen einen ausführlichen Einblick geben.

Der Workshop „Naturschutz auf dem eigenen Betrieb umsetzen“ findet im Raum H13 in der Steinstraße statt.

DETLEF HACK, Jahrgang 1961, machte zunächst eine landwirtschaftliche Lehre und währenddessen mehrmonatige Auslandsaufenthalte in Australien und in Afrika. 1985 pachtete er zunächst einen Hof in Schleswig-Holstein, 1989 übernahm er den elterlichen Betrieb in Panten bei Lübeck und stellte ihn auf ökologischen Landbau (Bioland) um. Sein Biogemischtbetrieb erhielt nach Renaturierung von Moor, Pflegeübernahme von Weidelandschaft, diversen Flächentauschvereinbarungen für Naturschutzzwecke und zahlreichen naturschutzfachlichen Maßnahmenumsetz-ungen, 2004 den „Förderpreis Ökologischer Landbau“ und 2008 den „Förderpreis Naturschutzhöfe“. 2009 – 2012 erfolgte die Praxiserprobung des Vertragsnaturschutzkonzeptes „Kleinteilige Ackernutzung“. Der Lämmerhof bewirtschaftet 550ha, davon 400ha Grünland, mit 300 Einzelbiotopen und 25km Knicks. Außerdem werden Mutterkühe dt.Angus, 150 Tiere in Nachzucht und Weidemast und Mastschweine gehalten.

Workshop: Zielkonflikt Landwirtschaft und Naturschutz: Wie lassen sich Produktions- und Lebensraumfunktionen erfolgreich verbinden?

In weiten Teilen der Kulturlandschaft führt eine zunehmende Intensivierung der Bewirtschaftung dazu, dass Lebensräume für wildlebende Arten qualitativ verschlechtert werden. Der Ökologische Landbau bietet günstige Voraussetzungen zur Förderung der biologischen Vielfalt. Andererseits müssen auch hier die Landwirte täglich entscheiden, in welchem Verhältnis die limitierten Produktionsfaktoren zur Erzeugung marktfähiger oder dem Gemeinwohl dienender Leistungen eingesetzt werden. Dabei führen nicht nur ökonomische Faktoren zu Konflikten. Auch Informationsdefizite und komplexe bürokratische Vorgaben erschweren häufig die Umsetzung biodiversitätsfördernder Wirtschaftsweisen.

Zielkonflikte bedeuten jedoch nicht, dass im Spannungsfeld der Interessen keine Handlungsmöglichkeiten bestehen. Der Workshop wird sich demnach nicht auf die Beschreibung hinderlicher Faktoren beschränken, sondern vor allem vielfältige Ideen für vielfältige Betriebe aufzeigen.

Der Workshop „Zielkonflikt Landwirtschaft und Naturschutz“ findet im Raum H1 in der Nordbahnhofsstraße statt.

MARTINA BEHRENS, geboren 1969, ist Landwirtschaftliche Biodiversitätsberaterin des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen. Sie war bis 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin und ist Lehrbeauftragte am Fachgebiet Ökologischer Land-und Pflanzenbau an der Universität Kassel /Witzenhausen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Optimierung ökologischer Landnutzungssysteme.

Workshop: Naturschutz und Soziale Landwirtschaft

Soziale Landwirtschaft verbindet landwirtschaftliche Erzeugung mit sozialer und pädagogischer Arbeit. In Deutschland sind es überwiegend spezialisierte und meist ökologisch wirtschaftende Betriebe, die sich in der Einbeziehung von Menschen mit Hilfebedarf – von Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung, Suchtkranken über Jugendhilfe, Strafgefangene, Langzeitarbeitslose bis hin zu Asylsuchenden – sowie speziellen Altersgruppen (Kinder, Senioren) engagieren. Diesen Höfen gemeinsam ist, dass es dort mehr „helfende Hände“ gibt, die zu einer größeren Vielfalt der Arbeitsfelder auf dem Hof, potenziell aber auch zur aktiven Pflege und Entwicklung der Kulturlandschaft beitragen können. Die soziale Inklusion erweitert sich zur ökologischen Inklusion.

In dem Workshop soll ausgelotet werden, welche Potenziale soziale und pädagogische Aktivitäten für mehr Naturschutz im Ökolandbau haben. Bereits vorhandene Beispiele, wie Kulturlandschaft durch Pflege „in Wert gesetzt“ werden kann, werden vorgestellt und unter Einbeziehung des Erfahrungswissens der Workshop-TeilnehmerInnen diskutiert. Beispielweise lassen sich Hecken durch die Ernte von Laubheu als Viehfutter und Beerenobst in das Bewirtschaftungskonzept des Hofes einbeziehen, so dass eine „Pflege durch Nutzung“ erreicht wird. Welche Perspektiven ergeben sich für aktive Pflege und Entwicklung der Kulturlandschaft?

Der Workshop „Naturschutz und Soziale Landwirtschaft“ findet im Raum H3 in der Nordbahnhofstraße statt.

DR. THOMAS VAN ELSEN, geboren 1959, absolvierte nach dem Abitur Zivildienst im Umweltschutz beim Garten- und Forstamt der Stadt Wuppertal, danach folgte das Studium der Biologie mit Schwerpunkt Vegetationskunde in Braunschweig und Göttingen. Es folgten Forschungsprojekte zu Ackerwildkräutern auf herbizidfrei bewirtschafteten Äckern (Dissertation Universität Kassel), zur Vegetation industriegeschädigter Flächen, zur Kulturlandschaft auf ökologisch bewirtschafteten Höfen, zur Einzelbetrieblichen Naturschutzberatung und zur Integration von Naturschutzzielen auf der Hessischen Staatsdomäne Frankenhausen, dem Lehr-und Versuchshof des Fachbereiches Ökologische Agrarwissenschaften. Seit 2004 Forschung im Bereich Soziale Landwirtschaft: mehrere EU-Projekte, Gründung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Soziale Landwirtschaft (www.soziale-landwirtschaft.de). Außerdem Lehre in den Bereichen Landschaftsökologie, Pflanzensoziologie, und Soziale Landwirtschaft.

Workshop: Boden und Natur für Kinder erlebbar machen: Boden begreifen – Wie ernähren wir die Welt?

Mehr als 90% unserer Lebensmittel werden weltweit durch Bodenkultivierung erzeugt. Derzeit zerstören wir sie 30 mal schneller, als sie entstehen. Ob dennoch alle Menschen auf dieser Erde satt werden können, hängt von mehreren Faktoren ab. Zentral ist dabei, welche Lebensmittel wir herstellen, wie wir sie produzieren und ob wir damit Boden erhalten oder zerstören. Die gute Nachricht ist: wir können alle ernähren. Aber was muss sich dafür ändern? Wie hängen Bodennutzung, Ernährung und globale Gerechtigkeit zusammen?

Im Kontext sinkender Bodenfruchtbarkeit und steigender Ansprüche an die Nahrungsmittelproduktion thematisiert das Slow Food Bildungsprojekt „Boden Begreifen“ die Auswirkungen unserer Ernährung auf die Fruchtbarkeit von Böden, sowie die globale Verteilung von Boden und der Zugang zu Boden.

Was ist ein fruchtbarer Boden? Wie viel brauchen wir davon? Warum werden Menschen von im vertrieben? Und wie könnte es doch für alle reichen?

Der Workshop wird Raum geben zu erfahren und zu erarbeiten, welche methodischen Anregungen das Projekt „Boden Begreifen“ in der Arbeit mit Jugendlichen auf dem Acker und in der Schule bietet, um diese Fragen zu beantworten.

Der Workshop „Boden und Natur für Kinder erlebbar machen“ findet im Raum H23 in der Steinstraße statt.

DANIEL DIEHL, geboren 1978, ist Projektkoordinator des Slow Food Schulprojektes „Boden Begreifen“. Als interdisziplinär ausgebildeter Agrarwissenschaftler mit einem Studium der Bodenwissenschaften (Bachelor an der Uni Hohenheim) und Sozialwissenschaften (Master In Wageningen/ Niederlande) gilt sein Interesse agrarökologischen Wissenssystemen mit Schwerpunkt im globalen Süden. Er war für die Stiftung Ökologie und Landbau, die Zukunftsstiftung Landwirtschaft, Meine Landwirtschaft und den Deutschen Entwicklungsdienst tätig und arbeitet nach mehreren Jahren in den Tropen nun für Slow Food Deutschland in Berlin und ist auch auf dem 2000m2 Weltacker der Zukunftsstiftung aktiv.