Samstag: Podiumsdiskussion und Abschlussvortrag

Podiumsdiskussion: Vielfalt fördern – Der Wille ist da, wo ist der Weg?

Akteure aus unterschiedlichen Bereichen sind eingeladen, die aus ihrer Sicht wichtigsten Vorschläge für die Landwirtschaftspolitik einer zukünftigen Bundesregierung zu formulieren und zu begründen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Positionen sollen herausgearbeitet und im späteren Verlauf der Veranstaltung auch mit dem Publikum diskutiert werden. Ziel ist es, praktikable Wege für die biologische Landwirtschaft aufzuzeigen, die bei maximalem Erhalt der Bio- und Agro-Diversität die Belange der Erzeuger, der Verbraucher und der Gesamtgesellschaft in Einklang bringen. Die derzeit anlaufende Debatte um die Zukunft der EU-Agrarpolitik in der nächsten Förderperiode bietet die seltene Möglichkeit, Schwerpunkte zu verlagern. Dabei kann die Forderung aus der Gesellschaft, dass „öffentliche Gelder nur noch für öffentliche Leistungen“ ausgeben werden sollen, nicht mehr ignoriert werden. Die Forderung bietet vielfältige Anhaltspunkte für positive Veränderungen, die vom Ökolandbau aufgegriffen und mit Leben erfüllt werden können.

MODERATION: PROF. DR. ULRICH HAMM,

1973-93 Studium, Promotion, Habilitation und Arbeit als Oberassistent in Agrarökonomie an der Universität Hohenheim. Danach Lehraufträge an der Martin-Luther-Universität Halle und der Universität Leipzig und Professur für Landwirtschaftliche Marktlehre und Agrarmarketing an der Hochschule Neubrandenburg. Seit März 2003 hat er eine Professur für Agrar- und Lebensmittelmarketing am Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel/Witzenhausen und ist hier seit April 2017 Prodekan. Seit 2010 ist er im Wissenschaftlichen Beirat für Biodiversität und genetische Ressourcen und seit 2012 im Bioökonomierat des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Außerdem arbeitet er für die European Association of Agricultural Economists und die International Society of Organic Agriculture Research (ISOFAR), wo er seit 2005 auch Mitglied des World Board ist. Desweiteren arbeitet er im Beirat der wissenschaftlichen Zeitschriften Organic Agriculture und Food Quality and Preference.

DR. THOMAS MEIER,

geb. 1963, studierte Gartenbauwissenschaften an der Universität Hannover und promovierte in Agrarökonomie. Danach war er an der ehemaligen Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig und am Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa in Halle/Saale tätig. 1997 wechselte er in das heutige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, dort arbeitet er unter anderem in den Bereichen Agrarmärkte und Gentechnik mit. Seit 2010 ist Dr. Thomas Meier in der Abteilung nachhaltige Land- und Forstwirtschaft im Referat für biologische Vielfalt und Biopatente zuständig für Fragen der biologischen Vielfalt für Ernährung und Landwirtschaft. Von 2001 bis 2006 war er Agrar- und Umweltattaché an der deutschen Botschaft in Warschau.

MICHAEL GROLM,

Diplom-Agraringenieur, (geboren 1972) studierte in Witzenhausen am Fachbereich Ökologische Landwirtschaft und machte sich dann als Bio-Imker selbständig. Um seine Bienen zu schützen, engagiert er sich gegen die Agro-Gentechnik und erhielt dafür den "taz Panter Preis" und den "Goldenen Stachel" des Deutschen Imkerbundes. Seit 2004 gehört er zum Bioland-Verband, seit 2013 ist er der Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" in Mitteldeutschland. Er lebt auf dem Naturerlebnishof in Hausen und arbeitet an einem Leitfaden für den Obstbaumschnitt.

DR. DELIA MICKLICH,

geboren 1968, absolvierte das Studium der Agrarwissenschaften an der Universität Rostock und promovierte am Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) in Dummerstorf. 1996– 2002 war sie Mitarbeiterin der Biopark Markt GmbH mit Tätigkeitsschwerpunkten: Aufbau und Organisation der Schlachtkörpervermarktung von Bio-Lämmern und Bio-Geflügel, Durchsetzung des CMA-Prüfsiegels für verschiedene Bio-Markenfleischpro-gramme, Entwicklung von Datenbanken zur Kontrolle der Bio-Getreidelagerhaltung. Seit 2002 ist Dr. Delia Micklich Geschäftsführerin des ökologischen Anbauverbandes Biopark e.V. und seit 2015 Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Ökolandbau Mecklenburg-Vorpommern.

DETLEF HACK,

Jahrgang 1961, machte zunächst eine landwirtschaftliche Lehre und währenddessen mehrmonatige Auslandsaufenthalte in Australien und in Afrika. 1985 pachtete er zunächst einen Hof in Schleswig-Holstein, 1989 übernahm er den elterlichen Betrieb in Panten bei Lübeck und stellte ihn auf ökologischen Landbau (Bioland) um. Sein Biogemischtbetrieb erhielt nach Renaturierung von Moor, Pflegeübernahme von Weidelandschaft, diversen Flächentauschvereinbarungen für Naturschutzzwecke und zahlreichen naturschutzfachlichen Maßnahmenumsetz-ungen, 2004 den „Förderpreis Ökologischer Landbau“ und 2008 den „Förderpreis Naturschutzhöfe“. 2009 – 2012 erfolgte die Praxiserprobung des Vertragsnaturschutzkonzeptes „Kleinteilige Ackernutzung“. Der Lämmerhof bewirtschaftet 550ha, davon 400ha Grünland, mit 300 Einzelbiotopen und 25km Knicks. Außerdem werden Mutterkühe dt.Angus, 150 Tiere in Nachzucht und Weidemast und Mastschweine gehalten.

Abschlussvortrag: Vielfalt als Stärke der ökologischen Landwirtschaft

Dr. Thomas van Elsen

Ökologischer Landbau ist vom Ansatz her Vielfalt! Mit dem Heraustreten aus der Nische, dem gewollten und gewünschten Wachstum des Ökolandbaus gerät dessen Entwicklung mehr und mehr in den gleichen Strudel der Sachzwänge wie die herkömmliche Landwirtschaft. Die Produktionsflächen werden größer, die Anbautechnik effizienter, die Fruchtfolgen kürzer, die Anbauvielfalt geringer und die Tierhaltung spezialisierter. Positive Begleiteffekte der Umstellung auf Ökolandbau für die Natur sind zwar nach wie vor vorhanden, aber eine vielfältige Kulturlandschaft entsteht nicht mehr nebenbei, sondern nur noch, wenn sie gewollt und bewusst an ihrer Entwicklung gearbeitet wird.

Es ist erfreulich, dass das Thema Vielfalt Thema der diesjährigen Witzenhäuser Konferenz geworden ist. Traditionell thematisiert die Konferenz Themen, die aktuell sind, aber in Forschung und Lehre des FB Ökologische Agrarwissenschaft einen untergeordneten Stellenwert einnehmen. Zu fragen ist nach Wegen, wie der Konventionalisierung des Ökolandbaus begegnet werden kann. Der Schwund der Biodiversität, der in der öffentlichen Diskussion unberechtigterweise einen weit geringeren Stellenwert einnimmt als der Klimawandel, ist wesentlich durch die herkömmliche Art der Landbewirtschaftung verursacht. Biobetriebe könnten Vorreiter einer Landbauwende werden, Vorreiter einer Landwirtschaft, die „Landschaft produziert“, wie es bereits vor 20 Jahren der damalige EU-Kommissar Fischler gefordert hat. Es geht um Qualitätssicherung, um bewusste Entwicklung ihrer Vielfalt und der Wirkungen auf Umwelt und Natur. Dies erfordert Anstrengungen in der Praxis, in der Politik, in der Gesellschaft, der Verwaltung, der Beratung, in Forschung und Lehre.

Die diesjährige, 25.Witzenhäuser Konferenz macht mit ihrem breiten Spektrum an Beiträgen die Potenziale des Ökologischen Landbaus deutlich. Nicht zuletzt wird es an den TeilnehmerInnen liegen, die in Witzenhausen diskutierten Möglichkeiten weiter zu entwickeln und umzusetzen.