Freitag: Vielfalt rechnet sich

Vortrag: Aufessen, Austrinken, Anpflanzen - Wie VerbraucherInnen biologische Vielfalt erhalten

Wir befinden uns im Jahr 2027: Biologische Vielfalt ist inzwischen ein Mainstream-Thema geworden. VerbraucherInnen und BürgerInnen tragen alltäglich zu ihrem Erhalt bei. Nach einem Überblick über den Status Quo in 2027 ist es Zeit für einen Rückblick – wie wurden die Weichen für diese positive Entwicklung gestellt?

Im Mittelpunkt des Nicht-nur-Vortrags stehen unterschiedliche Projekte an der Schnittstelle von Forschung und Praxis, mit denen VerbraucherInnen in die Erhaltung von biologischer Vielfalt eingebunden werden und wurden. Es wird Raum geben, über Wunsch und Wirklichkeit solcher Projekte zu diskutieren – und darüber, wie wir das Ideal des Jahres 2027 erreichen können. Praktisch ergänzt wird der Morgen mit einer Früh-Verkostung durch Freiwillige.

DR. CHRISTINA BANTLE, geboren 1978, studierte 1998 – 2003 Landschaftsarchitektur und Umweltplanung an der Fachhochschule Lippe und Höxter. 2008 – 2011 absolvierte sie den Master „International Food Business and Consumer Studies“ an der Uni Kassel/Witzenhausen. 2015 promovierte sie zur „Kommunikation von Agrobiodiversität in der Gastronomie“ am Fachgebiet Agrar- und Lebensmittel-marketing an der Uni Kassel/Witzenhausen. Seit 2015 ist sie Gastprofessorin für Politik und Märkte in der Agrar- und Ernährungswirtschaft in der HNE Eberswalde. Ihre Schwerpunkte reichen dabei von Öko-Lebensmittelmarketing und nachhaltigem Konsumentenverhalten bis zur Kommunikation biologischer Vielfalt. Außerdem ist sie im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung, v.a. zu nachhaltigem Konsum tätig.

Vortrag: Von der Hand in den Mund – Inwertsetzung biologisch erzeugter Lebensmittel durch die Gastronomie: Das Restaurant Weissenstein in Kassel

Wie lässt sich mehr biologische Vielfalt im ökologischen Landbau realisieren? Diversifizierung im Stall, auf der Weide und im Ackerbau: Rechnet sich das?

Mehr biologische Vielfalt im Biobetrieb erscheint erstmal nicht schwer zu erreichen: Noch existiert eine Vielzahl von Sorten und Rassen, die angebaut und gehalten werden können. Unsicherheit herrscht aber oft bei der Frage der Vermarktung und der Rentabilität.

Welche Vermarktungsansätze erscheinen besonders geeignet, um mehr biologische Vielfalt im Ökolandbau zu unterstützen? Wie gelingt Kooperation in der Vermarktung? Welche Aufgaben, Leistungen und Fähigkeiten bietet der Biobetrieb? Was heißt das für die Qualifizierung im Studium?

Diesen Fragen möchte Stefan Itter unter anderem am Beispiel des Bio-Restaurants Weissenstein, Kassel nachgehen.

STEFAN ITTER, Jahrgang 1970, machte eine gärtnerische Berufsausbildung, Zivildienst im Rettungsdienst, Studium Landschaftsplanung und Nachhaltige Regionalentwicklung von 1993 bis 1998 in Kassel, Gaststudium an der landwirtschaftlich-gärtnerischen Fakultät der Humboldt Universität Berlin.

Er absolvierte Arbeitsaufenthalte in Australien, USA und Äthiopien. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Kassel am Fachbereich Nachhaltige Regionalentwicklung 2000-2002. 2002 übernahm er den elterlichen Betrieb, stellte auf Ökologischen Landbau um und bewirtschaftet den landwirtschaftlichen Biobetrieb in Nordhessen mit Ackerbau, Grünland und Tierhaltung.

Vortrag: Erhalt durch Genuss – Biologische Vielfalt erfolgreich vermarkten

Beispielhaft wird am Projekt „Vielfalt schmeckt“ von ProSpecieRara und Rinklin Naturkost vorgestellt, wie die biologische Vielfalt der Kulturpflanzen durch deren Vermarktung erhalten werden kann. Die Rollen von ErzeugerInnen, Handel und VerbraucherInnen werden in diesem Zusammenhang näher beleuchtet. Herausforderungen und Besonderheiten im Umgang mit und bei der Vermarktung von bedrohten und seltenen Kulturpflanzen werden dargestellt sowie Maßnahmen zur Information von VerbraucherInnen gezeigt.

Workshop: Wie sag ich’s dem Kunden? Verbraucherkommunikation zum Thema Biodiversität

Wie können VerbraucherInnen für Biodiversität bei der Ernährung sensibilisiert werden? Wie und wo kann man VerbraucherInnen erreichen? Welche Mittel und Methoden gibt es dazu? Die Kommunikation mit VerbraucherInnen wird im Workshop bearbeitet. Dabei steht im Mittelpunkt, wie VerbraucherInnen sich informieren und aufgrund welcher Faktoren sie ihre Entscheidungen treffen. Die TeilnehmerInnen sind aufgefordert, mit Ideen zu einem Konzept beizutragen und gemeinsam neue Wege hinsichtlich der Kommunikation mit VerbraucherInnen zu finden.

Der Workshop „Wie sag ich’s dem Kunden? Verbraucherkommunikation zum Thema Biodiversität“ findet im Raum H23 in der Steinstraße statt.

ANN-KATHRIN SÖLLNER studierte Geographie in Heidelberg und Freiburg, wobei sie ihre Schwerpunkte auf Landwirtschaft und Ernährung legte und an mehrmonatigen Forschungsprojekten in Kamerun und Thailand teilnahm. Anschließend war sie als Projektmanagerin bei der Querdenker GmbH tätig, die sozial-ökologisch nachhaltige Aufforstung und Waldfeldbau in Costa Rica betreibt. Seit März 2017 ist sie bei ProSpecieRara als Projektleiterin für das Projekt „Vielfalt schmeckt“ zuständig, bei dem Gemüsesorten von der Roten Liste wieder angebaut und in Bioläden vermarktet werden.

Workshop: Biologische Vielfalt in Standards und Labels der Lebensmittelbranche

Was ist biologische Vielfalt? Wieso brauchen wir biologische Vielfalt in der Landwirtschaft? Kann man biologische Vielfalt messen? Welche Rolle nehmen Lebensmittelindustrie und Standards für die Biodiversität ein?  Diese und weitere Fragen sollen während des Workshops interaktiv mit den Teilnehmern beantwortet werden. Den Rahmen liefert das EU Life Projekt Biodiversity in Standards and Labels for the Food Sector, das sich mit der Erarbeitung biodiversitätsfördernder Kriterien und Empfehlungen im Bereich der Lebensmittel-standards und Unternehmen mit eigenen Beschaffungskriterien befasst. Im Workshop sollen das EU Life Projekt Biodiversity in Standards and Labels for the Food Sector, Biodiverstiy Perfomance Tools und das angebundenen Monitoringsystems vorgestellt werden. In einer BarCamp Session, einem Rollenspiel, werden die TeilnehmerInnen erarbeiten, welche Rolle verschiedene Akteure der Landwirtschaft in der Frage um die Biodiversität einnehmen. Abschließend werden die Ergebnisse vorgestellt und in der Runde diskutiert.

Der Workshop „Biologische Vielfalt in Standards und Labels der Lebensmittelbranche“ findet im Raum H1 in der Nordbahnhofsstraße statt.

DANIEL BACHMANN, geboren 1985 in Mainz, war 2010 Praktikant bei der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) in der Abteilung Umwelt und Klima. 2011-2013 arbeitete er als studentischer Assistent bei der “UNIQUE forestry and land use GmbH”. 2013-2016 leitete er das Agrarprogramm bei der „Gold Standard Foundation“ über die Entwicklung und Anwendung eines Treibhausgasstandards und von Berechnungsmethoden für die Landwirtschaft. Seit 2017 ist er Programmleiter der „Bodensee Stiftung“ mit Erstellung und Koordination eines standardübergreifenden Monitoring-konzepts für den Bereich Biodiversität in der Lebensmittelbranche.

Workshop: Das Medium Comic im Kontext nachhaltiger Landwirtschaft

Wissensvermittlung von Themen der nachhaltigen Landwirtschaft über das Medium Comics/Illustrationen: Der Workshop soll die TeilnehmerInnen dazu bringen, die Potentiale der Medien Comic und Illustration zu erkennen und dazu anregen, diese eigenständig zu nutzen.

Im Workshop sollen vom Referenten erarbeitete „Agrarcomics“ und Konzepte vorgestellt und über die Wahrnehmung von Bildern diskutiert werden. Außerdem sollen verschiedene Möglichkeiten der zeichnerischen Auseinandersetzung mit bestimmten landwirtschaftlichen Themen aufgezeigt und besprochen werden. Ziel des Workshops soll es sein, dass die TeilnehmerInnen ein Comickonzept für eine bestimmte Zielgruppe, ein bestimmtes Medium erstellen.

Der Workshop „Das Medium Comic im Kontext nachhaltiger Landwirtschaft“ findet im Raum H3 in der Nordbahnhofsstraße statt.

DAVID WEISS, geboren 1985 in Fulda, Lehre als Schreiner (abgebrochen), Kaufmann im Einzelhandel und als Gemüse und Kräutergärtner. Im Rahmen seines Studiums der Ökologischen Landwirtschaft in Kassel/ Witzenhausen  schrieb er eine interdisziplinäre Bachelorarbeit mit dem Titel „Vermittlung Wissenschaftlicher Erkenntnisse über das Medium Comic“. Dafür erstellte er eine comicartige Broschüre über „Nachhaltige Weide- und Forstwirtschaft“ für Mongolische Hirten und Bauern. Seit 2011 studiert er Visuelle Kommunikation und arbeitet freiberuflich in Madagaskar für die Uni Kassel. 2014 begann er ein Masterstudium Ökologische Landwirtschaft in Witzenhausen und hat hier seit 2016 einen Lehrauftrag für Botanische Illustration

Workshop: In der Vermarktung Wege zu mehr Biodiversität finden

Welche Wege gibt es, die Artenvielfalt durch Vermarktung zu fördern? Wie können diese Wege umgesetzt werden? Was sind Treiber und Hemmnisse auf dem Weg dorthin?

Der Workshops versucht, vor dem Hintergrund der biologischen Vielfalt, zu erläutern und interaktiv zu erarbeiten, welche Wege es gibt, mit ErzeugerInnen die Biodiversität in der Landwirtschaft zu stärken und individuell zu fördern. Die Wirtschaftlichkeit der beteiligten landwirtschaftlichen Betriebe darf dabei nicht beeinträchtigt und soll gesteigert werden.

Der Workshop „In der Vermarktung Wege zu mehr Biodiversität finden“ findet im Raum H13 in der Steinstraße statt.

DANIEL SCHLOZ, Jahrgang 1972, studierte Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich. 2001 bis 2006 war er Projektleiter in Bildungs- und Beratungsprojekten im Ökozentrum Langenbruck, Schweiz. 2009 koordinierte er ein deutschlandweites Demonstrationsprojekt von Brennstoffzellen-Heizgeräten in Stuttgart. Bis 2011 war er wiss. Mitarbeiter im Bereich Bioenergie an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg. Bis 2015 leitete er das Studium Oecologicum und war Dozent an der Universität Tübingen.

Seit 2015 ist er Geschäftsführer der regionalen Bioland-Erzeugergemeinschaft rebio GmbH.

GINA SCHWARZMAIER, geboren 1978, studierte Musikwissenschaften und Amerikanistik in Dresden und Boulder (USA). Sie arbeitete als Regieassistentin, Künstlerbetreuerin und Konzertdramaturgin am Staatstheater Kassel. Derzeit studiert sie Ökologische Agrarwissenschaften an der Universität Kassel /Witzenhausen. Durch ein Praktikum beim WWF bekam sie einen intensiven Einstieg in die Themen Lebensmittelverschwendung und Artenvielfalt.

Workshop: Vielfalt in der Ernährung für Kinder erlebbar machen

Die Workshop TeilnehmerInnen nähern sich spielerisch dem Thema Ernährungsbildung an, bevor wir gemeinsam die komplexen Gründe dafür sammeln wieso immer mehr Kinder (und leider auch Erwachsene) immer weniger verschiedene Lebensmittel essen. Und dass obwohl die Lebensmittelindustrie jährlich viele neue Produkte kreiert. Die Kulturpflanzen und –tiere, die nicht mehr genutzt, also nicht am Markt nachgefragt werden, verschwinden. Somit ist ein einseitiges Ernährungsverhalten nicht nur aus ernährungsphysiologischen Gründen negativ, sondern es forciert den Artenschwund.

Mit seinen in diesem Workshop anschaulich vorgestellten Projekten und Veranstaltungsformaten, die im Sinne einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ darauf ausgerichtet sind die Ernährungs- und Handlungskompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken, setzt der Ökomarkt e.V. diesem Trend etwas entgegen. So empfängt der Ökomarkt e.V. z.B. jährlich 7.000 Kitakinder, Schüler und Pädagogen auf Bio-Betrieben um mit allen Sinnen die Landwirtschaft, das Gärtnern und die Verarbeitung von Lebensmitteln erlebbar zu machen. Neben vielfältigen Ernährungsbildungs- und Fortbildungsangeboten für Multiplikatoren beraten die Mitarbeiter Kommunen, Kitas und Schulen, wie Küchen und Kantinen so zu gestalten sind, dass möglichst viele unverarbeitete - und wenn möglich - ökologische Lebensmittel dort verwendet werden können. Die Projekte des Ökomarkt e.V. werden im Rahmen des BÖLN sowie durch Umweltstiftungen gefördert.

Der Workshop „Vielfalt in der Ernährung für Kinder erlebbar machen“ findet im Raum H33 in der Steinstraße statt.

CHRISTINA ZUREK, geboren 1969, absolvierte zunächst eine Lehre im Gartenbau. Sie studierte Gartenbauwissenschaften und Landschaftsplanung & Freiraumentwicklung. Danach war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft im Bereich Betriebswirtschaft und Ökologischer Landbau tätig. Seit 2004 arbeitet Christina Zurek im Leitungsteam der pädagogischen Projekte des Ökomarkt e.V. in Hamburg. Sie ist dort an der Entwicklung von pädagogischen Projekten im Bereich Ökolandbau beteiligt und berät im Bereich Kita und Schule zu nachhaltigen Verpflegungskonzepten.